Frauen an die Macht: Was könnten Merkel und Royal in Europa bewegen?

"Cohn-Bendit trifft..." vom 22. Januar 2007

Mit Angela Merkel hat erstmals eine Frau das wichtigste politische Amt in Deutschland übernommen. In Frankreich wird ihr die Sozialistin Ségolène Royal vielleicht schon bald folgen. Was könnten zwei Frauen an der Spitze der mächtigsten Staaten Europas bewegen? Werden sie anders regieren als ihre männlichen Vorgänger? Über diese Fragen und mehr diskutiert Dany Cohn-Bendit in seiner nächsten Sendung mit einer Runde einflussreicher Frauen…

 



Deutschland wird von einer Frau regiert. Frankreich könnte diesem Modell in kürze folgen. Umfragen geben Ségolène Royal eine realistische Chance, die nächste Präsidentin Frankreichs zu werden. Was würde dies für Frankreich, Deutschland und Europa bedeuten? Regieren Frauen anders als Männer? Was bewirkt eine Politik jenseits von Bruderschaften und Männerkumpanei? Bringen sogenannte weibliche Eigenschaften wie Sensibilität, Einfühlungsvermögen und Konfliktbereitschaft Europa weiter? Oder haben Frauen an der Spitze diese Charakterzüge auf dem Weg nach oben abgelegt? Warum gibt es immer noch so wenige Frauen in Top-Positionen in Wirtschaft und Politik? Fehlt Frauen der unbedingte Wille zur Macht? Über diese Fragen und mehr diskutiert Dany Cohn-Bendit mit zwei Politikerinnen, einer Journalistin, einer Karriereberaterin und einer Wissenschaftlerin.





Gäste:


Eva Lichtenberger, MEP (Grüne):
"Frauen machen kompetentere Politik, da sie keine Zeit mit "Platzhirsch-Getue" verschwenden"

 

Silvana Koch-Mehrin, MEP (FDP):
"Gemeinsame Erlebnisse auf dem Weg zur Macht verbindet Frauen über Parteigrenzen hinaus"

 

Pascale Hugues, Journalistin:
"Merkel ist in Europa sehr beliebt, da sie leise auftritt"

 

Uta Glaubitz, Karriereberaterin und Autorin (neuestes Buch: "Generation Praktikum"):
"Angela Merkel hat den Weg für Ségolène Royal geebnet"

 

Dominique Grisard, Dozentin am Zentrum Gender Studies Uni Basel:
"Frauen machen auch inhaltlich eine andere Politik als Männer"




Die französische Journalistin Pascale Hugues betont, dass Angela Merkel typisch weibliche Eigenschaften hat, die sich darin manifestieren, dass sie gut zuhören kann und nicht laut auftritt. Diese Qualitäten hat Frau Merkel wohl auch ihrem Lebenslauf zu verdanken, da sie nicht aus den, zumindest in Frankreich typischen, Kaderschmieden kommt. Auch Silvana Koch-Mehrin empfindet für die deutsche Kanzlerin und für Ségolène Royal, trotz unterschiedlicher politischer Auffassungen, Sympathie.
Die grüne Politikerin Eva Lichtenberger sieht eindeutig Vorteile in weiblicher Politik. Da Frauen eindeutig einen härteren Weg nach oben haben sind sie zwangsläufig kompetenter. Frauen führen Debatten sachlicher und praxisorientierter, da sie weniger Zeit mit überflüssiger Polemik verschwenden und nicht ständig herausstellen wie wichtig sie sind. Dominique Grisard, Dozentin für Gender-Studies an der Universität Basel, fügt hinzu, dass Frauen auch inhaltlich andere Themen auf die Tagesordnung bringen. So hat zum Beispiel Frau Royal verkündet, dass sie als erste Gesetzesinitiative ein Gesetz zur Gewalt gegen Frauen einbringen möchte. Einig sind sich auch alle Diskutantinnen, dass Frauen mit anderem Mut an die Dinge gehen müssen, da Frauen an der Macht nicht in die typischen Männer-Auffangnetze fallen können (wie zum Beispiel Aufsichtsratsposten). Die Karriereberaterin Uta Glaubitz erlebt es tagtäglich, dass Frauen und Männer von den gleichen Positionen aus starten, jedoch gilt: Je höher die Ebene, desto schwerer wird es für die Frauen, sich durchzusetzen. Und am Ende finden sich nur wenige in Spitzenpositionen.
Zum Thema Karriere und Kinder stimmt die Runde überein: Frauen haben es doppelt so schwer. Ein Mann hat nie die totale Verantwortung für die Kinder und immer die Frau im Hintergrund, die ihm die Hauptlast abnimmt. Zudem sind Frauen dem nicht zu unterschätzenden Druck der Gesellschaft ausgesetzt. Hier gibt es einen großen Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich, findet Dominique Grisard: Während es im laizistischen Frankreich leichter für die Mütter ist Karriere und Kinder unter einen Hut zu bringen (auch weil es ganztags Kindergrippen gibt), müssen sich in Deutschland Mütter immer wieder mit dem Vorwurf auseinandersetzen eine Rabenmutter zu sein, wenn sie in ihrer berufliche Karriere trotz Kind nicht zurückstecken wollen. Pascale Hugues zweifelt jedoch auch das französische Betreuungssystem an. Aus Sicht der Kinder sei es eine Strapaze den ganzen Tag getrennt von ihrer Familie, in der Kindergrippe zu verbringen.
Abschließend sind sich alle einig: Frauen an der Macht können, solange sie ihren weiblichen Qualitäten treu bleiben und nicht etwa männlicher als ihre Kollegen werden, viel verändern.



 

Sendezeiten:

Montag, 22.01.07 um 21.15 Uhr,

Mittwoch, 24.01.07, um 23:15 Uhr und

Sonntag, 28.01.07, um 09:00 Uhr.




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