Warme Winter und grüne Skipisten sind erst der Anfang. Mit Überschwemmungen und Umweltkatastrophen könnte es weitergehen: Erderwärmung und Klimawandel sind längst für alle spürbar. Aber wie kann man die Klimakatastrophe aufhalten? Was müssen die politischen Kräfte auf kommunaler, nationaler und globaler Ebene dafür tun? Warum wurde bisher so wenig getan? Über diese Fragen und mehr spricht Daniel Cohn-Bendit mit Klaus Töpfer, der von 1998 bis 2005 das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) geleitet hat.
Als höchster Repräsentant der globalen Umweltpolitik hat sich Töpfer dafür eingesetzt, dass die Industriestaaten der Erde ihre Verantwortung übernehmen. Konsequent und streitbar hat sich der Christdemokrat und ehemalige Bundesumweltminister - auch gegen den Willen seiner Partei - für den Ausstieg aus der Atomenergie stark gemacht und ist mit seiner Unterstützung der rot-grünen Ökosteuer angeeckt. Der Vermittler zwischen den Interessengegensätzen Wirtschaft und Umweltschutz fordert von Deutschland und der Europäische Union, dass sie in Sachen Umweltpolitik eine Vorreiterrolle übernehmen.
"Man kann die Energiewende schaffen", davon ist Klaus Töpfer überzeugt. Aber der Ausstieg aus Kohle- und Atomenergie ist nach Ansicht des erfahrenen Umweltpolitikers nicht von heute auf morgen machbar. Länder wie Indien und China, die große Kohlevorkommen haben, werden diese auch weiterhin nutzen. Deshalb müsse man sich um möglichst "saubere" Kohle bemühen und alles daran setzen, deren Wirkungsgrad zu erhöhen.
Auch die Atomenergie sei angesichts von 440 Kernkraftwerken in aller Welt und mindestens 25 neuer Bauprojekte eine unausweichliche Realität. Eine Lösung für die Klimaproblematik sei sie allerdings nicht: "Atomenergie allein reicht nicht aus, um das Klimaproblem zu lösen. Sonst müssten wir den Planeten zubauen mit Atomkraftwerken", sagt Töpfer. Und dies könne angesichts der bekannten Gefahren der Kernenergie keinesfalls wünschenswert sein. Die Atomenergie, so fordert er, sollte eine Übergangs-, oder "Brückenenergie" sein - "aber mit einem klaren Ende der Brücke".
Und an diesem Ende sollten erneuerbare Energien stehen. Ein Wundermittel suche man allerdings auch hier vergebens, wie Töpfer bemerkt. Bioenergie aus nachwachsenden Rohstoffen sei in die Diskussion gekommen, weil eine Konkurrenz zwischen Nahrungspflanzen und Energiepflanzen entstehen könnte. Auch der Erhalt der Artenvielfalt und der bisher relativ geringe Nettogewinn dieser Verfahren hätten für Kritik gesorgt. Das Problem des Nettogewinns gelte in noch höherem Masse für die Wasserstoffenergie, so Töpfer. Um die Entwicklung auf diesem Gebiet voranzubringen, müsse viel mehr in die Forschung investiert werden.
"Technologisch führende Länder müssen die Führungsrolle übernehmen", fordert der ehemalige Bundesumweltminister und meint damit vor allem auch die Bundesrepublik Deutschland. Sie sei schon immer ein Vorreiter auf diesem Gebiet gewesen. Als ein Beispiel nennt Töpfer die Einführung des 3-Wege-Katalysators in seiner Amtszeit. In der aktuellen Debatte um Emissionsgrenzwerte für die Automobilindustrie setzt sich Töpfer für eine rechtlich verbindliche Lösung ein. Dass freiwillige Verabredungen nicht funktionieren, habe die Erfahrung gezeigt.
Reichlich Probleme also und keine einfachen Lösungen in Sachen Energiepolitik. Deshalb appelliert Klaus Töpfer an die Politiker der Industrienationen: "Wir müssen alles dran setzen, den Entwicklungsländern mit Technologie- und Finanztransfers bei der Bewältigung des Klimawandels zu helfen. Wir müssen glaubwürdig und belegbar unsere Emissionen zurückfahren und wir müssen die Technologien weiterentwickeln."
Sendetermine:
Montag, 05.02.07 um 21.15 Uhr
Mittwoch, 07.02.07, um 23:15 Uhr
und Sonntag, 11.02.07, um 09:00 Uhr.
Mehr Infos zum Sender finden sie unter www.terra-nova.de