Uns geht es gut, Herr Cohn-Bendit?

28. Juni 2007

1. Palästina steht vor einem Bürgerkrieg - und gleichzeitig sollen die Friedensgespräche mit Israel wieder aufgenommen werden. Wie passt das zusammen?
Es passt nicht zusammen. Vielleicht sollte man den Gaza-Streifen in ein UN-Protektorat überführen, um den Menschen dort helfen zu können. Wenn sich die Situation wieder beruhigt hat, kann Palästina wieder zu einem geeinten Staat werden.

2. Nach langem Ringen ist beim EU-Gipfel doch noch ein Ergebnis gelungen. Sind Sie zufrieden?
Es war eine sehr unangenehme Veranstaltung. Die, die weniger Europa wollen, werden auch in Zukunft die, die mehr Europa wollen, torpedieren können. Wir brauchen eine Verfassung mit Grundrechtscharta, die für alle gilt. Die Staaten, die sie nicht wollen, sollten eine privilegierte Partnerschaft mit der EU bekommen. Großbritannien und Polen könnten dazugehören, und auch die Türkei auf ihrem Weg zur Vollmitgliedschaft.

3. In diesen Tagen verabschiedet sich der britische Premierminister Tony Blair aus seinem Amt. Werden Sie ihm nachtrauern?
Nee, weil er nervt. Auch beim EU-Gipfel. Da hat er infrage gestellt, was er vor Jahren selbst unterschrieben hat. Auch die Grundrechtscharta. Wie soll denn da die EU Russland als Wertegemeinschaft gegenübertreten, wenn es Staaten gibt, die aus ihr ausscheren?

4. Deutschland hat eine neue Partei: Die Linke. Nur einige ihrer Mitglieder aus der Vorgängerin PDS müssen sich weiterhin vom Verfassungsschutz beobachten lassen. Zu Recht?
Sie gehört nicht unter die Beobachtung des Verfassungsschutzes, sondern unter die Beobachtung der politischen Öffentlichkeit.

5. Die gescheiterte französische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal hat sich von ihrem Mann François Hollande getrennt - und keiner in Frankreich redet mehr über die rechte Politik von Sarkozy ...
Alle sind scharf auf solche Meldungen, aber da muss man standhaft bleiben. Mich interessiert nicht, was Ségolène Royal privat macht.

6. CDU und SPD wollen sich im Landtag wohl doch zugunsten üppiger Renten entscheiden - allen Protesten zum Trotz. Jeder ist sich selbst der Nächste, oder?
Das ist die Doppelmoral der Sozialdemokratie: einerseits für Mindestlöhne streiten, andererseits für dicke Abgeordnetenlöhne.

7. Noch zu Jahresanfang wollte OB Petra Roth jedes Rechtsmittel gegen die Neonazi-Demo am 7.7. ausschöpfen - nun kam die Genehmigung mit Auflagen. Bisschen schwach, oder?
Die Gerichtsentscheidungen zu dem Thema kennt man. Die Demo wird in irgendeinem Industriegebiet stattfinden und fertig. Es gibt in Deutschland ein Demonstrationsrecht, und das gilt es zu schützen. Egal, wer da auf die Straße gehen will.

8. Alte Männer und matschiger Sound - wir haben Sie beim Stones-Konzert gesehen. Sind die wirklich noch ihr Geld wert?
Die Preise waren schon üppig, aber das Spektakel war es wert. Übrigens hat es nicht nur den Alten gefallen, sondern auch vielen jungen Menschen. Die Stones sind immer noch was Besonderes.

9. Eintracht-Profi Albert Streit wollte so gerne zu Schalke wechseln - nun ist klar, dass er bleibt. Gut so?
Ja. Mir gefällt gut, dass Streit bei der Eintracht bleibt. Ich wünsche mir, dass er eine großartige Saison spielt, und danach kann er dann ja zu Real Madrid wechseln.

Die Fragen stellte Nils Bremer