Uns geht es gut, Herr Cohn-Bendit?

24. September 2007

Der PflasterStrand-Gründer und heutige EU-Parlamentarier Daniel Cohn-Bendit nimmt alle 14 Tage in unserem Heft zur Lage der Nationim Allgemeinen und zur Lage der Stadt Frankfurt im Speziellen Stellung. Spontan am Telefon und nicht ohne ein Augenzwinkern, natürlich ...
 

1. Sie haben Andreas Baader gekannt. Ein „Unsympath“, ein „arrogantes Arschloch“ sei der RAF-Terrorist gewesen. Wirklich?

Ja.

2. Wundert mich, dass Sie Baader und Ensslin dann nach Paris vermittelt haben …

Die Idee war, dass sie aus ihrem Frankfurter Wahn und ihren Verrücktheiten einmal herauskommen.

3. Hat nicht ganz geklappt.

Das kann man so sagen.

4. Was kann man heute aus dem Deutschen Herbst lernen?

Man kann lernen, dass man alles tun muss, um falsche Sympathien in bestimmten gesellschaftlichen Umfeldern nicht zu verstärken. Mit dem weltumspannenden fundamentalistischen Terrorismus kann man die RAF jedoch nicht vergleichen, dafür sind Substanz und Ziele zu unterschiedlich.

5. Also haben Sie auch keine Tipps, wie es im Irak weitergehen soll? US-General David Petraeus sieht trotz täglicher Anschläge Zeichen der Hoffnung …

Der Fehler war, den Krieg zu beginnen, nun ist es schwer, wieder rauszukommen. Die ganze Region hätte die Chance, nach einem Rückzug der Amerikaner den Irak zu stabilisieren. Die Gefahr, dass sich das Land dann teilt, gibt es aber nach wie vor.

6. Die deutschen Autobauer pflegen auf der IAA ihr Öko-Image, werben aber wie etwa VW zugleich dafür, dass man einen Jeep braucht, um übers Frankfurter Kopfsteinpflaster zu kommen …

Ich bin für eine hundertprozentige Steuererhöhung für diese Pitbull-Autos und dass sie in der Stadt verboten werden. Die können meinetwegen im Taunus rumkurven, uns sollen sie damit in Ruhe lassen.

7. Sie galten als einer der prominentesten Fürsprecher einer schwarz-grünen Koalition in Frankfurt. Warum könnte das auch ein Modell für eine Bundesregierung nach 2009 sein?

Mal sehen, was bei den Landtagswahlen im kommenden Jahr herauskommt. Da müssen die Grünen die unterschiedlichen Koalitionsmöglichkeiten diskutieren. Am Unwahrscheinlichsten ist Schwarz-Grün in Hessen, mit Koch geht nix. Im Bund muss man sich die Frage stellen, was die Alternative wäre: eine Große Koalition? Schwarz-Gelb? Es gilt abzuwägen, wie man grüne Errungenschaften wie den Atomausstieg und umweltpolitische Ziele am besten erhalten kann.

8. Am 30. September geht Edmund Stoiber in Rente. Sagen Sie doch mal was Gutes über ihn!

Ich wünsche ihm, dass er mit seiner Muschi viele schöne Spaziergänge unternehmen kann. Für die, die es nicht wissen: So nennt er seine Frau wirklich. Von mir kommt das nicht.

9. Aufgepasst: Frankfurts Polizisten vom 1. Revier sind nun ganz in Blau gekleidet. Schick, oder?

Ja, wahnsinnig schick. Hoffentlich trinken die mal einen drauf.

10. Nach dem Angriff auf einen Rabbiner: Wie sicher dürfen sich Juden in Frankfurt fühlen?

Es ist erschütternd. Trotzdem glaube ich, dass das ein individueller Ausraster war. Ich fühle mich in Frankfurt sicher. Richtig ist aber, mit den muslimischen Vereinen über den latenten islamischen Antisemitismus zu sprechen.

11. Zum Sport: Trotz B-Mannschaft haben wir gegen die Rumänen gewonnen …

Ach, was interessiert mich das Fußballspiel der Deutschen. Gelitten habe ich, ich bin immer noch am Boden zerstört, weil ich zuschauen musste, wie Frankreich gegen Schottland verliert. Es war grässlich, grauenhaft. Die müssen unbedingt was tun, sonst wird es nichts mit der EM-Qualifikation.

Die Fragen stellte Nils Bremer