Der PflasterStrand-Gründer und heutige EU-Parlamentarier Daniel Cohn-Bendit nimmt alle 14 Tage in unserem Heft zur Lage der Nationim Allgemeinen und zur Lage der Stadt Frankfurt im Speziellen Stellung. Spontan am Telefon und nicht ohne ein Augenzwinkern, natürlich ...
1. Wir müssen erst mal ein wenig über die Grünen reden. Joschka Fischer veröffentlicht in diesen Tagen den ersten Teil seiner Biografie. Wie finden Sie die?
Es ist sehr spannend, was er geschrieben hat. Schließlich geht es um die ersten vier Jahre rot-grüner Regierung und damit auch um die entscheidenden für die grüne Partei, mit Kosovo und allem, was dazugehört. Er zeigt, wie es sich anfühlt, als Grüner deutsche Außenpolitik zu gestalten.
2. Genau diese Art der Außenpolitik kritisiert Ihr Parteifreund Robert Zion, der hinter dem umstrittenen Afghanistan-Antrag steht. Nicht nur Fischer, sondern auch Sie seien nicht mehr tragbar für die Partei. Ihre Antwort?
Das wird sich bei der Aufstellung der Spitzenkandidaten zur Europawahl 2008 schon zeigen, ob ich noch tragbar bin. Ich finde, man sollte Sprüche von übermütigen Grünen nicht immer so ernst nehmen.
3. Bleiben wir noch kurz bei der Außenpolitik. In Myanmar steht die Militärdiktatur unter Druck – trotzdem konnte sich der UN-Sicherheitsrat nicht zu einer scharfen Resolution durchringen …
Man muss auf China und Russland Druck ausüben, denn die haben blockiert. Niemand wäre da besser geeignet als unser Altkanzler Schröder. Der kennt sich aus mit lupenreinen Demokratien.
4. Wenden wir uns der CDU zu. Der einstige Innenminister Manfred Kanther ist bei der Neuauflage des Schwarzgeld-Prozesses mit einer Geldstrafe davongekommen. Schade eigentlich, oder?
So älteren, grau melierten Herren soll man kein Gefängnis wünschen. Die Geldstrafe sollte für einen ordentlichen Zweck ausgegeben werden, das ist viel wichtiger.
5. Roland Koch schwächelt in den Umfragen mit 44 Prozent, seine Herausforderin Andrea Ypsilanti steht mit 29 Prozent noch schlechter da. Doch Chancen für ein zartes schwarz-grünes Pflänzchen?
Es gibt derzeit eine klare schwarz-gelbe Mehrheit, Schwäche hin oder her. Rot-Grün muss klar Position gegen Koch beziehen – und bis zur Wahl kann sich noch einiges ändern.
6. Die Buchmesse wird bestimmt wieder ein Spektakel – sind Sie in der Bar im Frankfurter Hof oder doch in den Messehallen?
Ich bin in Frankreich.
7. Die NPD will in Frankfurt wieder demonstrieren – diesmal gegen die Moschee. Wird’s nicht Zeit, die rechtsextreme Partei zu verbieten?
Ach, wegen dieser paar Hanseln sollte man kein solches Aufhebens machen. Viel schlimmer ist die Kritik an der Moschee, die aus der Mitte der Gesellschaft kommt. Genau dagegen muss die Stadtpolitik etwas tun.
8. Über Ihren Freund, den Ex-Terroristen Hans-Joachim Klein, ist ein Film auf DVD erschienen (den wir kurz auf Seite 37 rezensieren). Sie nannten ihn Klein-Klein – warum eigentlich?
Weiß nicht so genau. Er war körperlich nicht der Größte, der kleine Klein eben, Klein-Klein haben wir gesagt. Zu dem Film kann ich leider nichts sagen, den hab ich noch nicht gesehen.
9. Zum Schluss der Sport. Die Eintracht hat zu Hause gegen Karlsruhe verloren, steht in der Tabelle aber immer noch gut da. Sicher zu früh, um von einem UEFA-Cup-Platz zu träumen, oder?
Ja. Beim KSC-Spiel war ich enttäuscht von der Eintracht, dass die Mannschaft diese Stärke nicht gezeigt hat. Das sind eigentlich die Spiele, die man gewinnen sollte.
Die Fragen stellte Nils Bremer