Uns geht es gut, Herr Cohn-Bendit?

13. November 2007

Der PflasterStrand-Gründer und heutige EU-Parlamentarier Daniel Cohn-Bendit nimmt alle 14 Tage in unserem Heft zur Lage der Nation im Allgemeinen und zur Lage der Stadt Frankfurt im Speziellen Stellung. Spontan am Telefon und nicht ohne ein Augenzwinkern, natürlich ...

1. Letztes Jahr lud Angela Merkel George W. Bush zum Grillfest in ihren Wahlkreis ein, nun revanchiert er sich und bittet sie auf seine Ranch – Freunde unter sich?

Die Kanzlerin sollte Bush eindeutig signalisieren, dass weder Deutschland noch die EU bei der Abenteuerbombardierung des Iran mitmachen. Das gibt ein noch größeres Chaos als im Irak.


2. Außenminister Steinmeier wirbt für die Fortsetzung von „Enduring Freedom“ in Afghanistan, obwohl die Bundeswehr öfter in Kämpfe hineingezogen wird. Weiter so?


Die Fortsetzung von Enduring Freedom ist falsch! Die militärische Operation muss unter UN-Mandat gestellt werden. Dass Bundeswehrsoldaten in Kämpfe außerhalb der Grenzen verwickelt werden, ist aber normal. 


3. In einem weltweiten Ranking schafft es keine der sogenannten Elite-Hochschulen unter die Top 50. Heidelberg findet sich als erste deutsche Uni auf Platz 60. Traurige Bilanz, oder?


Schuld ist die defizitäre universitäre Ausbildung. Solange hier keine sachliche Debatte geführt wird, ändert sich nichts.


4. Der Streit um die Vorratsdatenspeicherung geht weiter, auch wenn der Bundestag dem Gesetz stattgibt. Bürgerrechtler planen eine Massenklage, 6000 Menschen haben unterschrieben, obwohl die Erfolgsaussichten mau sind. Was soll das?


Das ist der zivile Ungehorsam im Getriebe der Bürokratiemaschinerie. Richtig so! Es ist ein Unding, dass unkontrolliert Privatsphären durchleuchtet werden. Lieber sollte man sich um ein vernünftiges  Sicherheitskonzept kümmern.


5. Michel Friedman interviewte den Neonazi Horst Mahler, Vanity Fair druckte alles ab – welcher Teufel hat Friedman da geritten?


Da hat sich der Michel verrannt, ich hätte das nicht gemacht, denn von Entlarvung kann keine Rede sein. Dass Mahler einen Schuss in der Birne hat, ist altbekannt. Sicher, man muss sich mit Neonazis auseinandersetzen, aber nicht so!


6. Grünen-Chefin Roth hat den Augsburger Bischof Mixa erneut angegriffen. Wer Betreuungseinrichtungen als „Umerziehungslager“ für Kinder bezeichne, erinnere sie an Pol Pot. Hat sie recht?


Claudia sollte den Popen vergessen. Mein Rat:  Claudia, spring nicht auf jeden seiner Sätze an! Was Mixa sagt, ist nicht nur dümmlich, sondern lächerlich.


7. Mit der „Task Force Internet“ ist die hessische Landesregierung Vorreiter im Kampf gegen die wachsende Online-Kriminalität: Künftig jagen Cyber-Cops die Cyber-Gangster. Toll ... 


Die hessische Polizei beweist einmal mehr, dass sie auf der Höhe der Zeit ist. Sie hat das Internet entdeckt. Und bald entdeckt sie, dass die Sonne morgens auf- und abends untergeht. Glückwunsch!


8. Nach 15 Jahren endlich wieder einen ausgeglichenen Haushalt. Stadtkämmerer Becker rechnet bis 2011 mit Einnahmen von 1,3 Milliarden Euro. Wenn das kein Grund zum Feiern ist ...


Und alles wurde eingeleitet vom klugen grünen Stadtkämmerer Tom Koenigs. Das sollte man nicht vergessen, schließlich hat er den Haushalt neu strukturiert.


9. Schon wieder Verletzungsdilemma bei der Eintracht. Sind’s die falschen Schuhe, ist der Trainingsplatz zu hart oder sind die Mannen einfach Weicheier?


Die Frankfurter Schuhdramatik ist lächerlich. Die Bundesliga ist härter und schneller geworden, das hat Auswirkungen auf den Organismus. Mehr Spieler pro Mannschaft, das würde helfen!


Die Fragen stellte Julia Söhngen