Uns geht es gut, Herr Cohn-Bendit?

22. Januar 2008

Der PflasterStrand-Gründer und heutige EU-Parlamentarier Daniel Cohn-Bendit nimmt alle 14 Tage in unserem Heft zur Lage der Nation im Allgemeinen und zur Lage der Stadt Frankfurt im Speziellen Stellung. Spontan am Telefon und nicht ohne ein Augenzwinkern, natürlich ...

 

1. Deutsche Soldaten sollen im Norden Afghanistans eine Kampftruppe stellen. Ex-Generäle halten die Armee auf allen Ebenen für gravierend schlecht organisiert. Chaos statt Ordnung?  

Wenn’s wirklich so ist, wäre das Wahnsinn. Aber manchmal haben Ex-Generäle auch eine Rechnung offen. Seit Jahren wird über Reformen gesprochen, ohne dass was passiert.  

2. Nokia stellt seine Produktion in Deutschland ein. Nun rufen Politiker zum Boykott auf. Haben Sie Ihr Handy auch schon zurückgegeben?  

Ich hab kein Nokia. Man muss überprüfen, an welche Bedingungen die Finanzierung geknüpft war, denn eine Subventionshüpferei darf nicht sein. Doch auch Rumänien verdient eine Chance.  

3. Großeltern als Rettungsanker für Kinder von Teenagereltern, das will Familienministerin von der Leyen. Oma und Opa als Armutsprävention?  

Dieses permanente Vorstellen neuer Erziehungsmodelle muss aufhören, es nervt und bringt nichts! Die Großeltern sind nicht die Eltern, auch nicht mit Erziehungsurlaub.  

4. Erst die Ausländer, dann die Jugendlichen, nun die Kommunisten – wird Roland Koch die neue Hatz helfen?   

Lange war ich unsicher, jetzt nicht mehr: Die Chance für eine rot-grüne Mehrheit ist greifbar nah. Die Linken sind politikunfähig. Die Wähler müssen wissen: Jede Stimme für die Linken fehlt Rot-Grün. Bei der SPD besteht die Gefahr einer großen Koalition. Wer Koch abwählen will, muss Grün wählen.  

5. Innenminister Bouffier stellt die neue Kriminalstatistik vor: Hessen sei eines der sichersten Bundesländer. Passt nicht ganz zu Kochs Kampagne, oder? 

Koch hat sich ins eigene Bein geschossen, das wird immer offensichtlicher. Aber auch diese pseudowissenschaftlichen Zahlen sind absurd und lösen kein einziges der sozialen Probleme. Hessen ist weder sicherer noch unsicherer als Bayern. 

 6. In Hessen ist die Zahl der Asylbewerber im vergangenen Jahr um 11,7 Prozent zurückgegangen. Haben die Angst vor Roland Koch?  

Das hat mit Koch nichts zu tun, auch wenn er das vielleicht gerne hätte. Deutschland hat keine Außengrenzen mehr, das ist der Grund. 

7. Bitter für die CDU, toll für die Grünen: Obwohl sich beide bei der Abstimmung enthielten, klagt Frankfurt gegen den Flughafenausbau. Hält die Koalition das aus?  

Ach, natürlich! Zu dieser Zuspitzung musste es vor der Landtagswahl kommen, das war von Anfang an klar. Et voilà. Aber man wird sich auch wieder beruhigen.  

8. Die Börse wechselt nach Eschborn, Frankfurt ist sauer. Brauchen wir eine Regionalreform?  

Diese Forderung ist mindestens 35 Jahre alt. Ich bin sehr gespannt, welche Landesregierung das tatsächlich durchsetzt. Jetzt ist das Geschrei groß.  

9. Jürgen Klinsmann wird der neue Bayern-Trainer. Wie lange hält Klinsi diesmal durch?  

Das wird in einem Riesenkladderadatsch enden. Ob in einem oder in zwei Jahren, ist egal. Aber ihren Zirkus haben die Bayern gehabt.  

10. Der Tscheche Fenin galt als teuerster Transfer in der Eintracht-Geschichte, nun toppt ihn der Brasilianer Caio: vier Millionen Euro. Ist das wirtschaftlich?  

Junge Spieler zu binden ist genau richtig – doch die kosten. Aber sie sind die Grundlage für eine starke Mannschaft.  

Die Fragen stellte Julia Söhngen