Der PflasterStrand-Gründer und heutige EU-Parlamentarier Daniel Cohn-Bendit nimmt alle 14 Tage in unserem Heft zur Lage der Nation im Allgemeinen und zur Lage der Stadt Frankfurt im Speziellen Stellung. Spontan am Telefon und nicht ohne ein Augenzwinkern, natürlich ...
1. Die hessische Landtagswahl hat viele ratlose Politiker zurückgelassen. Sind Sie es auch?
Nö, ich bin ganz klar. Es wird eine rot-grüne Minderheitenregierung geben, andere Optionen gibt es nicht. Dazu ein 100-Tage-Programm zu Mindestlohn, Bildungspolitik, Klimawandel und Sicherheit.
2. Nach den Verlusten der CDU sucht die Partei nun ihren Wahlkampf-Stil. Was meinen Sie?
Die CDU stellt sich hinter Koch und sammelt die FDP hinter sich. Allerdings tritt der hessische FDP-Chef Hahn wie ein Zirkusdirektor auf. Das ist doch alles Unsinn, eine schwarz-gelb-grüne Koalition, aber die Grünen haben keine Ansprüche? Ohne uns.
3. Die Kritik an Roland Koch wird immer lauter – auch in den eigenen Reihen …
Wie feige ist das denn? Jetzt, nach der Wahl, schreiben 17 CDUler einen offenen Brief. Und davor? Standen alle stramm hinter Koch, auch Ole von Beust. Ich finde das scheinheilig und ohne Mumm.
4. Wir haben gehört, die SPD will Roland Koch erst mal „regieren“ lassen – und ihn so zermürben. Meinen das die Genossen wirklich ernst?
Was sind denn das für blitzgescheite Politiker? Das sind alles Kinderspiele. Was mich verwundert, ist, dass die Frankfurter OB nicht klar Stellung bezieht und sich von Koch abwendet.
5. Die Grünen haben besonders in Frankfurt verloren. Was haben sie falsch gemacht?
Das war ein Warnschuss. Ein Teil der grünen Wähler wollte ein linkes Programm. Deshalb haben sie die Linken gewählt. Dazu kamen Vorbehalte gegen Schwarz-Grün, und genau diese Politik wurde nicht vehement genug vertreten.
6. Die EU-Grünen werben mit einer Kampagne für das freie Verteilen von Medien. Haben Sie schon mal einen Film runtergeladen?
Jeder lädt – oder lädt nicht. Es ist doch Quatsch, den Leuten die Polizei auf den Hals zu hetzen. Man muss andere Wege finden, der Musikindustrie im Netz zu helfen, etwa durch Besteuerung.
7. Während in Kenia nach der Wahl ein blutiger Konflikt tobt, tritt der umstrittene Präsident Kibaki beim Gipfel der Afrikanischen Union in Äthiopien auf. Ein gutes Zeichen?
Ich beneide Kofi Annan wirklich nicht um seine Vermittlerrolle in Kenia. Man muss Kibaki beeinflussen, damit er sich der Opposition und der Demokratie öffnet, oder eine gemeinsame Regierung erreichen. Falsch ist, Kibaki gewähren zu lassen.
8. Vor der Kommunalwahl kämpft Sarkozy mit seinem Image: 52 Prozent der Franzosen finden seine Politik verfehlt. Was muss er ändern?
Vor seiner Wahl hat er versprochen: Wenn ihr mich wählt, ist alles möglich. Nun sieht er, dass die Kassen leer sind und nichts geht. Dazu kommt das dämliche Protzen mit seinem Privatleben.
9. An der Goethe-Uni werden künftig keine Bewerber mit Fachhochschulreife mehr studieren. Wo bleibt da der Bildungsauftrag?
Wer denkt, so zur Elite zu werden, liegt ganz falsch. Das widerspricht auch der Bildungsgleichheit.
10. Die Eintracht startet mit ihren Stars Caio und Fenin und dem Leihspieler Mantzios in die Rückrunde. Was dürfen die Fans erwarten?
In diesem Jahr sind wir noch in einer Übergangsphase, die jungen Talente müssen sich erst einfinden. Aber was ich wirklich bewundernswert finde, ist die Genesung von Chris, nach einem Jahr Pause ist er wieder da. Mit der Eintracht geht’s steil nach oben. Das ist festgeschrieben.
Die Fragen stellte Julia Söhngen