Der PflasterStrand-Gründer und heutige EU-Parlamentarier Daniel Cohn-Bendit nimmt alle 14 Tage in unserem Heft zur Lage der Nation im Allgemeinen und zur Lage der Stadt Frankfurt im Speziellen Stellung. Spontan am Telefon und nicht ohne ein Augenzwinkern, natürlich ...
1. Deutschlands Manager starten durch – endlich haben sie einen Weg gefunden, ihre Gehälter auf ein adäquates Niveau zu bringen. Die nicht ganz saubere Lösung heißt Liechtenstein ...
Liechtenstein mit Vaduz und Cayman Islands – das sind die klassischen Geldwäscheorte. Dort, wo die Drogenbarone schon lange ein und aus gehen, sind jetzt auch einige unserer Manager angekommen. Man muss einen Hebel finden, von Europa aus diesen Orten ihren finanziellen Anreiz zu nehmen.
2. Wer trägt denn die moralische Verantwortung für solche Manager-Verrohungen?
Das ist ein wenig systemgeschuldet. Wir haben halt nur mehr oder weniger gute Kontrollmechanismen in einer Demokratie, um solchen Leuten das Handwerk zu legen. Das Vertrauen der Gesellschaft in diese Mechanismen schwindet angesichts solcher Meldungen leider – man fühlt sich permanent verarscht als normaler Steuerzahler.
3. Bei den Politikern geht’s ähnlich roh zu: Die KfW schiebt Steuer-Milliarden in eine Privatbank, um die vor der Insolvenz zu retten – und die KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier klebt dennoch weiterhin an ihrem Stuhl ...
Man sollte generell die Befähigung von Politikern in Bankenaufsichtsräten hinterfragen – gerade in Zeiten von solchem Banken-Monopoly wie momentan. Auch Huber in Bayern versucht die Krise in der Bayerischen Landesbank nur bis über die Landtagswahl zu vertuschen.
4. Die Politik erscheint ein wenig als die einzige von der Gesellschaft anerkannte Hure. Jetzt schmeißt sich Roland Koch an die Grünen ran, und keinen stört’s – auch die Grünen nicht ...
Das stimmt nicht – Koch will mit uns reden, und wir reden natürlich mit ihm. Das gehört zum Spiel. Dennoch steht unser Programm – daran ändert sich nichts. Im Übrigen bleibe ich dabei: Das einzig Glaubwürdige ist in Hessen eine rot-grüne Minderheitsregierung, die von den Linken toleriert wird.
5. Linke? Gutes Stichwort: Die offen zur Schau gestellte Stasi-Sehnsucht der niedersächsischen Linken-Abgeordneten Wegner erzürnt die Nation – was soll das?
In Hessen gibt’s ganz ähnliche Kandidaten. Unter dem Logo der Linken finden sich nun mal Menschen wie diese DKP-Anhängerin, die in der Vergangenheit lebt. Es ist die moralische Verantwortung der Parteien, solche Leute nicht für sich kandidieren zu lassen.
6. Öl wird überflüssig, getankt wird per Stromkabel: Das einstige SAP-Wunderkind Shai Agassi plant die grüne Autorevolution. In einem ersten Schritt will er sein Heimatland Israel mit 500000 Ladestationen für Elektromobile überziehen.
Es gibt bei der Technik nach wie vor das Problem der Reichweite – wenn das in Israel auch eine eher -untergeordnete Rolle spielt. Aber ich bin fest überzeugt, dass man bei uns in Europa mit Steuervorteilen diese Technik weit vorantreiben könnte.
7. Eintracht Frankfurt ist erneut wegen unsportlichen Verhaltens einzelner Fans in zwei Fällen vom DFB-Sportgericht zu einer Geldstrafe von 8000 Euro verurteilt worden – hört das denn nie auf?
Es kommt sicher noch eine für Wehen dazu – das ist halt die Kehrseite der Medaille. Die Eintracht hat halt sehr emotionale Fans, von denen manche eine etwas bizarre Einstellung haben. Die restlichen Fans müssen ein Zeichen dagegen setzen – und wenn’s am Schluss dazu kommt, dass die Eintracht mal vor leeren Stadienrängen spielt.
Die Fragen stellte Boris Tomic