Uns geht es gut, Herr Cohn-Bendit?

12. März 2008

Der PflasterStrand-Gründer und heutige EU-Parlamentarier Daniel Cohn-Bendit nimmt alle 14 Tage in unserem Heft zur Lage der Nation im Allgemeinen und zur Lage der Stadt Frankfurt im Speziellen Stellung. Spontan am Telefon und nicht ohne ein Augenzwinkern, natürlich ...

1. Hessenwahl und kein Ende ... 

Rot-Grün muss in Hessen endlich mit dem Taktieren aufhören. Die sollen sich hinsetzen und ein Regierungsprogramm schreiben. Und dann können sie dieses mit den restlichen Parteien im Landtag diskutieren und ihren richtigen Partner finden. 

 2. Eine weitere Option steht neben der linken Tolerierung in Hessen im Raum – die Große Koalition. Was wäre daran so verwerflich? 

Wenn sich die SPD zum Büttel der CDU machen will – dann bitte. Das wäre reiner Masochismus. Die Große Koalition würde natürlich auch das Ende der Ypsilantischen Ministerpräsidentinnen-Träume bedeuten.  

3. Was ist eigentich mit Jamaika – Koch wirbt doch ordentlich um die Grünen? 

Ich bleibe dabei – das einzig Richtige wäre in dieser Konstellation eine von den Linken tolerierte Minderheitsregierung. 

4. Insistieren wir mal – was spricht gegen eine Jamaika-Koalition ohne Koch an der Spitze? 

Vonseiten der Grünen: alles. Die CDU Hessens ist eine ganz Besondere, nicht erst nach diesem Wahlkampf. Da ist es egal, ob Bouffier oder Koch oder sonst wer vorne steht. Für die Grünen ist diese Partei keine echte Option.  

5. In Hamburg hingegen kann man sich Schwarz-Grün vorstellen? 

In Hamburg sind andere Vorzeichen gesetzt – die Grünen werden dort ihre Forderungen stellen, und man wird sehen, wie die CDU reagiert. Danach wird abgerechnet. Dann gibt es eine Koalition – oder es gibt eben keine. Auf jeden Fall darf das grüne Profil nicht verschwinden. 

6. Der Frankfurter Professor und Bundestagsabgeordnete der Grünen, Wolfgang Strengmann-Kuhn, hat eine ganz klare Meinung zur CDU: „Schwarz-Grün muss die Ausnahme bleiben“, sagt er ein paar Seiten weiter in diesem Heft. 

Warum sollte Schwarz-Grün von vornherein schlecht sein? Wenn man nach intensiven Gesprächen feststellt, dass es nicht geht, dann geht es halt nicht. In Gefahr und in der Not bringt der Mittelweg aber immer nur den Tod! 

7. Na ja, so weit hergeholt ist die Furcht des Herrn Professors nicht – in Frankfurt ist die grüne Identität ja bereits am Verschwinden... 

Hier wird zu wenig kommuniziert. Die Grünen gehen davon aus, dass die Bürger täglich den Lokalteil lesen und dann wissen, was Politiker so machen. Das ist falsch. Ich plädiere für eine neue Kultur des Erklärens von Politik. Und zwar mit allen Schwierigkeiten, die eine schwarz-grüne Koalition mit sich bringt. 

8. Hand aufs Herz: Befinden sich die Grünen nicht in einer allgemeinen Identitätskrise? 

Nein, die Grünen haben ihre klare Identität. Sie müssen nur damit Poitik machen.Was man den Grünen aber vorwerfen kann, ist die Tatsache, dass sie viel zu spät angefangen haben, über die neue Fünf-Parteien-Konstellation in Deutschland nachzudenken.  

9. Die obligatorische Eintracht-Frage zum Schluss: Das war wohl nichts beim 4:1 in Hamburg... 

Nun, die Eintracht kann gegen Spitzenmannschaften wie Hamburg oder zuletzt Bremen nur mit Glück gewinnen. Wir sind im oberen Mittelfeld, und um höherzukommen muss Funkel jetzt mal richtig Mumm zeigen und junge Leute wie Caio öfter aufstellen. Die brauchen ihre Erfahrung.

Die Fragen stellte Boris Tomic