1. Na, das war ja wohl nix mit Ihrer hundertprozentigen Prognose für eine hessische Minderheitsregierung ...
Ich gebe selbstkritisch zu, ich habe die politische Unfähigkeit der SPD unterschätzt. Trotzdem wäre eine Minderheitsregierung die einzig nachvollziehbare Lösung gewesen.
2. Die Linken sind ja schon irgendwie gegeißelt - keiner will so richtig mit ihnen, und doch schmusen sich alle ein bisschen an sie ran ...
Die Linken sind Ausdruck einer tiefen Verunsicherung in dieser Gesellschaft. Sie mobilisieren einen gerechtfertigten Effekt. Das ist alles.
3. Eben, Deutschland hat sich in den letzten fünf Jahren mit Hartz IV halt doch stark verändert. Das Nettoeinkommen eines durchschnittlichen Haushalts ist in den vergangenen drei Jahren stetig gesunken. Viele Menschen fühlen sich auf der Verliererseite.
Ja, daraus speist sich ja das Votum der Linken. Aber sie sind eine reine Protestpartei. Da, wo sie mitregieren - etwa in Berlin -, haben sie innerhalb einer Legislaturperiode ihre Wählerschaft halbiert.
4. Wolf Biermann meinte am Rand der Frankfurter Musikmesse, Frau Metzger wäre die „Einzige in der SPD, die noch alle Tassen im Schrank habe". Hat er recht?
Das hat was mit seiner Geschichte zu tun. Das muss man akzeptieren. Was mir nur in Bezug auf Frau Metzger auf den Geist geht, ist das ständige Bemühen von „Gewissen". Wenn Frau Metzger Frau Ypsilanti nicht wählen lassen kann, weil dies mit den Linken geschieht, so ist das ja in Ordnung. Aber muss sie das wirklich mit dem Gewissen rechtfertigen?
5. Nun ja, dem Gewissen ist man doch angeblich als Abgeordneter verpflichtet ...
Ja, sicher, aber lassen wir doch mal die Kirche im Dorf. Es geht hier um Hessen. Nicht mehr! Wie kann denn Frau Metzger es nun ihrem Gewissen gegenüber verantworten, dass nach dem Sommer noch immer die gleiche bescheuerte Schulpolitik in Hessen weitergeführt wird?
6. Mal ernsthaft - wie geht's denn nun weiter im Landesparlament? Koch als Protagonist der Opposition, die die Mehrheit hat?
Das wird ein Spaß. Die rot-rot-grüne Mehrheit im Parlament fasst etwa den Beschluss, dass man die Studien-gebühren revidieren muss. Und Koch kann es nicht umsetzen, da ihm die 150 Millionen Euro dafür nun einfach fehlen. Dann wird er versuchen, Dienst nach Vorschrift zu machen und das Ganze zu verschleppen. Mein Vorschlag dazu: Bei jeder Verschleppung, Diäten um 10 Prozent senken. Das würde ziehen!
7. Aber das wäre doch eher 'ne Kabarettver-anstaltung als 'ne Regierung ...
Okay, es gibt drei Möglichkeiten: Entweder wir haben nach dem Sommer doch 'ne große Koalition, oder es gibt im Juni 2009 Neuwahlen zusammen mit den Wahlen zum EU-Parlament, oder es gibt eine revolutionäre, vernünftige und zukunftsweisende Lösung.
8. Sie machen es aber spannend ...
Man regiert in Hessen als erstes Bundesland mit wechselnden Mehrheitsverhältnissen. Man diskutiert und entscheidet sachbezogen. Das wäre richtungsweisend und absolut klug.
9. Man könnte auch sagen utopisch. Schließlich gibt es so was wie eine Parteiräson. Aber mal Hand aufs Herz - eine Jamaikakoalition bleibt ausgeschlossen?
Ich wette ein exzellentes Abendessen - Jamaika wird in Hessen nicht kommen.
10. Die Grünen gefallen mir persönlich momentan gar nicht - Tarek al Wazir windet sich zwischen den Roten und Gelben hin und her wie ein Jung-ferkel im Stall - was soll das?
Nein, das tut er nicht. Er wollte mit der SPD regieren. Das ist an deren Unfähigkeit gescheitert, und nun werden wir weitersehen.
11. Eine Frage, die Sie sicher selbst berührt - Bütikofer ist auf dem Weg nach Brüssel. Lässt er sich noch stoppen, oder sind die Tage des grünen Dany gezählt?
Ich freue mich auf Reinhard. Schließlich kommt ja nicht nur ein Mann nach Brüssel. Ich habe auf jeden Fall vor, auf dem ersten Männerplatz zu kandidieren. Ob auf der französischen oder deutschen Liste, das wird sich zeigen.
12. In Frankfurt machen die Grünen einen sehr leisen Job. Dagegen stellt sich die CDU mit jungen, engagierten Politikern wie Boris Rhein und Uwe Becker für das kommende Jahrzehnt nahezu perfekt auf. Sage noch einer, die CDU wäre nicht clever ...
Das muss man ohne Zweifel anerkennen. Die Grünen haben auch hervorragende junge Politiker wie etwa die Umweltdezernentin Manuela Rottmann. Allerdings versäumen es die Stadtgrünen, ihre sehr gute Politik über die Diskussion auch nach draußen unter die Leute zu bringen. Da ist uns die CDU um Längen voraus. Zumindest in Frankfurt.
13. Und wie immer zum Schluss zur Eintracht: Das macht ja gerade richtig Spaß - die Karls-ruher weggeputzt, und nun so einen Lachgegner wie Cottbus. Da muss doch ein UEFA-Cup-Platz drin sein ...
Die Cottbusser haben immerhin die Bayern besiegt. Die werden hinten drin stehen und mauern. Unsere Eintracht muss sich spielerisch noch sehr weiterentwickeln. Und Funkel soll endlich den jungen Spielern 'ne reelle Chance geben. Die können nur besser werden, wenn sie spielen.
Die Fragen stellte Boris Tomic