"Ästhetisch reizvoll"

18. April 2008

Herr Cohn-Bendit, Schwarz-Grün in Hamburg - der Beginn des grünen Ausverkaufs oder eine neue Ära? 

Ich kann die Frage nicht mehr hören. Sie wurde schon gestellt, als Rot-Grün begann. Wir müssen anders herum rangehen . 

... und zwar? 

Ich kann Skepsis verstehen, ob mit der CDU grüne Inhalte durchzusetzen sind. Aber das ist die Herausforderung der Grünen in Hamburg. Sie wollen beweisen: Es geht. Die Chance sollen sie haben. Dann können wir in sechs Monaten immer noch diskutieren, ob das der Ausverkauf ist. 

Hat die neue Offenheit gegenüber der CDU auch zu tun mit den nicht immer guten Erfahrungen mit der SPD? 

Natürlich gibt es Punkte, die mit der SPD leichter durchzusetzen sind. Mindestlohn etwa. Aber es gibt auch viele Fragen, wo die SPD aus der Sicht der Grünen nicht handlungsfähig war. In einem Fünf-Parteien-System muss man neue Konstellationen ausprobieren. Dazu gehört auch die Kraft zu sagen: Es klappt doch nicht. Notbremse! 

Wären Sie genauso gelassen, wenn es um Rot-Tiefrot-Grün geht? 

Absolut. Man muss die neue Wirklichkeit inhaltlich abklopfen. Das geht nicht nur mit Verträgen und Programmen, sondern nur in der täglichen Politik. Falsch ist nur, etwas von vornherein auszuschließen. Könnte Hamburg Hessen einen Ausweg öffnen? Hessen ist nicht Hamburg. Wenn hier wegen der inneren Zerrissenheit der SPD keine rot-rot-grüne Koalition mobilisierbar ist, wird es Neuwahlen geben. 

Können Sie sich eine Dreierkoalition im Bund vorstellen? Oder werden die Großen eine große Koalition doch für stabiler halten? 

Es ehrt mich, wie viel Fantasie Sie mir zutrauen. 

Sie haben mal Fantasie an die Macht gefordert. 

Was nach der Wahl herauskommt, hängt vom Wahlkampf ab. Die CDU wird mit einem schwarz-gelben Projekt beginnen. Wenn es mit der FDP nicht reicht, gibt es andere Optionen. Die Linkspartei greift aufs Kommunistische Manifest zurück und manövriert sich ins Abseits. Die Grünen müssen die stärkste der kleinen Parteien werden. Dann stehen ihnen verschiedene Möglichkeiten offen. Die sind inhaltlich zu bestimmen. Wenn die CDU eine Kampagne à la Roland Koch macht, sehe ich keine Möglichkeit für eine schwarz-grüne Koalition. 

Eine Koalition von Angela Merkel und Jürgen Trittin können Sie sich eher vorstellen? 

Manche Paarungen haben ästhetischen Reiz. 

Interview: Thomas Kröter