1. Asien, vor allem China, macht uns Europäern ein wenig Angst. Berechtigterweise?
Das ist kein Problem der Angst. China fasziniert uns einerseits mit seinem wirtschaftlichen Wachstum und dem enormen Maß an Modernität, andererseits schreckt es uns ab wegen der permanenten Verletzung der Menschenrechte ...
2. Das Schwellenland tritt angeblich die Menschenrechte mit Füßen und macht die Umwelt kaputt ...
Nicht angeblich! Wenn man Menschen wie Hu Jia wegen zweier kritischer Internetartikel für dreieinhalb Jahre hinter Gitter steckt, hat das nichts mit angeblich zu tun.
3. Hat Alt-Kanzler Helmut Schmidt aber nicht ein wenig recht, wenn er meint, wir sollten uns aus den Konflikten mit Tibet raushalten, da die Chinesen schon eine Hochkultur waren, als wir noch auf den Bäumen lebten?
Er hat nicht nur unrecht, das ist geradezu skandalös. Es spiegelt die gleiche perfide Haltung Schmidts wider, als er in den 70er-Jahren mit dem damaligen polnischen Parteichef Edward Gierek über die polnischen und sowjetischen Dissidenten lachte, anstatt sich für sie einzusetzen. Schmidt hat nichts dazugelernt.
4. In China haben die Europäer ein schlechtes Ansehen – wir seien arrogant und würden die Kultur überhaupt nicht verstehen ...
Ich finde es abwegig, den Begriff der Kultur bei Menschenrechtsverletzungen zu bemühen. Das hat nichts mit Kultur zu tun, die wir nicht verstehen. Es gibt einfach universelle Rechte für Menschen, die vom chinesischen Regime mit Füßen getreten werden.
5. So war es also falsch von der Bundesregierung, den Besuch des Dalai Lama zu ignorieren?
Die sollen mit den Chinesen weiter verhandeln. Und sie sollen sich verdammt noch mal nicht vorschreiben lassen, mit wem sie sprechen!
6. Irgendwie werden die Chinesen doch weich – jetzt sind sie nach 13 Jahren endlich bereit, die damals eingefrorenen Gespräche mit Taiwan wiederzubeleben ...
Natürlich hat das mit dem Druck der Weltgemeinschaft zu tun. Der muss noch wachsen. Und wir dürfen nicht vergessen, dass es die Chinesen sind, die Diktaturen wie in Birma unterstützen und es verhindern, dass der UN-Sicherheitsrat dort mehr Druck ausübt.
7. Milliarden an Entwicklungshilfe fließen von Europa nach wie vor in den Boomstaat China – ist das wirklich sinnvoll?
Entwicklungshilfe in Schwellenländern ist notwendig, wenn dort Projekte wie regenerative Energien oder Ähnliches unterstützt werden. Allerdings ist es auch sinnvoll, hier durch eine detaillierte Auflistung einmal alle Projektausgaben transparent zu machen.
8. Die obligatorische Eintracht-Frage zum Schluss: Von China in die Schweiz und nach Ösiland – kein Frankfurter tummelt sich in Jogi Löws Aufstellung. Sind wir wirklich so schlecht?
Marco Russ wäre sicher ein Kandidat, aber er ist noch etwas zu jung. Was Funkel und die Eintracht angeht, so muss er sich in der Sommerpause echt Gedanken machen. Der Mann hat offenbar keine Vision. Ohne Vision machen sich die Spieler davon. Chris ist so einer. Caio auch. Wenn die nicht richtig eingebunden werden, sind die bald weg. Also: Vision her und rauf aufs Spielfeld mit den jungen Kräften!
Die Fragen stellte Boris Tomic