Die Wette mit Ihrem Parteifreund Omid Nouripour, dass Frankreich bei der Fußballeuropameisterschaft weiter als Deutschland kommt, haben Sie verloren. Sie sollen nun in einer Frankfurter Kneipe ein Eintracht-Spiel live kommentieren. Halten Sie Wort?
Ja, das kann ich machen. Die Deutschen hatten in der Qualifikation nicht so gut gespielt wie Frankreich und hatten bei der EM die leichtere Gruppe. Aber die Franzosen sind zu Recht ausgeschieden. Das System von Trainer Raymond Domenech hat nicht funktioniert. Er hat die falschen Leute mitgenommen. Die alten Helden von 2006 sind nicht mehr so fit. Übrigens sollte man sich auch in der Politik überlegen, wann es Zeit ist aufzuhören.
Omid Nouripour freut sich darauf den österreichischen Nationalspieler Ümit Korkmaz nächste Saison im Eintracht Trikot zu sehen. Hat er Sie bei der EM auch überzeugt?
In der Tat hat die Eintracht nächstes Jahr einen würdigen Nachfolger für Mittelfeldspieler Albert Streit. Da er sowohl links wie rechts spielen kann, könnte er eine Verstärkung werden. Allerdings kommen wir da wieder zum alten Problem der Eintracht: Kann Friedhelm Funkel junge Spieler frühzeitig in die Mannschaft führen oder erleidet Korkmaz das gleiche Schicksal wie Caio in der letzten Saison.
Die Frauen vom FFC Frankfurt haben die Bundesliga-Saison mit dem Meistertitel abgeschlossen und damit das Tripple gewonnen. Sind Frauen die besseren Fußballer?
Frankfurt ist im Frauenfußball das, was Bayern München im Männerfußball ist. Sie sind einfach gut, das hat Tradition in Frankfurt und wird auch noch lange so bleiben. Einige Frankfurter Vereine haben schon früh auf Frauenfußball gesetzt. Ich kann mich an ein Mädchen aus unserer Wohngemeinschaft erinnern, das schon vor 18 Jahren in Frankfurt Fußball gespielt hat.
Die Männer vom FSV Frankfurt haben den Durchmarsch in die zweite Bundesliga geschafft und die Stadt mit dem nun notwendigen Ausbau des Stadions am Bornheimer Hang für 16,5 Millionen Euro in Verlegenheit gebracht. Wegen der fernsehtauglichen Flutlichtanlage muss auch die A 661 neu ausgeleuchtet werden wegen Blendgefahr für die Autofahrer. Steht das im Verhältnis?
Grundsätzlich finde ich, dass Profivereine ihre Stadien selbst finanzieren sollten. Dass die Stadt im Falle des FSV helfen soll leuchtet mir ein, dass sie alles bezahlt nicht. Für die Übergangszeit wäre auch ein zinsloses Darlehen an den FSV möglich gewesen. Oder der Umzug in die Commerzbankarena.
Die Sportstadt Frankfurt läuft Gefahr den Ironman European Championship an Wiesbaden zu verlieren, weil sich einzelne Römeranwohner über Ruhestörung nach 22 Uhr beklagen. Steht das Recht des Einzelnen über dem Allgemeinnutzen?
Na ja, ich finde, wer am Römer wohnt muss das hinnehmen, das ist der schönen Wohnlage geschuldet. Wer im Herzen der Stadt wohnt muss das Pulsieren der Stadt genießen können. Wer eine ruhige Vorstadtidylle sucht, soll nach Bad Homburg oder Bad Soden ziehen.
Dalai-Lama-Freund Roland Koch hat die Olympiakandidaten von Eintracht Frankfurt bei einem Kamingespräch über die Tibet-Frage aufgeklärt. Eine großmütige Geste, oder?
Es wäre gut gewesen, wenn er auch die Menschenrechtsfrage in China aufgeklärt hätte, über Menschenrechtler, die zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden oder die unglaubliche Zahl von Todesstrafen. Außerdem sprach er sich gegen die politische Meinungsäußerungen der Sportler aus. Wie kommt er dazu?
Die Athleten selbst scheinen ohnehin in erster Linie am sportlichen Erfolg orientiert zu sein und wollen ihre Wettkämpfe nicht gefährden. Können wir uns apolitische Sportler leisten?
Die Sportler sollen sein wie sie sein wollen. Niemand soll politisch korrekt dazu gezwungen werden, sich so oder so zu verhalten. Aber niemand soll gehindert werden sich gesellschaftspolitisch zu äußern, wenn er es für notwendig und richtig hält. Wir erinnern uns noch an die politischen Meinungsäußerungen der Schwarzen Sportler vor 40 Jahren in Mexiko. Ich wünsche mir Sportler, die auf dem Podest auch ein Zeichen für Menschenrechte setzen.
Heute die Politik zum Schluss: Irland verpasste die Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft und stellt sich durch die Ablehnung des Lissabon-Vertrags auch politisch ins Abseits. Sollte die EU ohne sie weitermachen?
Dies ist nach der Vertragslage nicht so einfach. Die EU soll Irland im Hoffnungslauf eine Chance geben, doch noch die Qualifikation zu schaffen. Grundsätzlich brauchen wir so etwas wie eine Neugründung der EU wo sich die Völker in Europa in einem Volksentscheid für ein politisches Europa aussprechen und nicht nur für eine Freihandelszone. Wir brauchen europäische Entscheidungsverfahren für europäische Fragen. Und die nicht mitmachen wollen, was ihr gutes Recht ist, bleiben in der Freihandelszone. Die anderen gründen das politische Europa: Die europäische Föderation.