Uns geht es gut, Herr Cohn-Bendit...?

19. August 2008

Daniel Cohn-Bendit im Interview mit dem Journal Frankfurt

Der Tigerpalast Ihres Jugendfreundes Johnny Klinke wird 20 Jahre alt. Erinnern Sie sich noch an die Anfänge?

Johnny beherrschte die Kunst, ein Varieté in Deutschland zu etablieren, wie kein anderer. Und natürlich erinnere ich mich noch aus einem anderen Grund an diese Zeit: Es war der Beginn von Rot-Grün in Frankfurt.

Aus der Mischung von Politik und Schau ist nichts geworden. Ein „revolutionäres Unterhaltungsprogramm zwischen Politik und barbusigen Frauen" war wohl mal geplant ...

Was ist denn das für ein erfundenes Blabla?

Angeblich kommt das von Ihnen. Geblieben ist schnöde Unterhaltung für die Bourgeoisie ...

Geblieben ist schnöde Unterhaltung für die Taunusbewohner, wenn ich mir das Publikum so anschaue. Na und?

Wie viele Flaschen Champagner sollte Johnny bei der Premierenparty am 30. September für Sie kalt stellen?

Da sollen mal lieber andere Leute hingehen und sich präsentieren. Ich komme, wenn ich komme.

Joschka Fischer kommt auch gern und hat schon unzählige Frauen mitgebracht. Was ist mit Ihnen?

Ich war meist mit meiner Frau, ein paarmal auch mit meinem Sohn da. Zum Beispiel, als die Fußballnationalmannschaft auf dem Weg nach Frankreich dort einen Zwischenstopp machte. Viele, wie der Helmer, der Klinsmann und der Bierhoff, waren sehr, sehr nett. Natürlich haben wir uns Autogramme geholt. Der Matthäus hingegen hat meinem kleinen Sohn gesagt, er soll den Finger aus dem Mund nehmen, wenn er mit ihm redet. Ich glaub, der ist ein bisschen doof.

Zum Fußball kommen wir gleich, zunächst: Johnny, Joschka und Sie waren ja mal beim revolutionären Kampf ...

Was hat das denn bitteschön jetzt mit dem Tigerpalast zu tun? 

Na, mich interessiert, wie zwei Politiker wurden und einer Varieté-Chef ...

Toll. Und der Frank Wolff ist Cellist geworden. So ist das Leben, jeder geht seine Wege. Und Politik ist vielleicht auch nur Varieté.

Sie haben keine Lust, über die Vergangenheit zu reden?

Konzentrieren wir uns auf die Zukunft.

Liberté, Egalité, Varieté, einst das von Matthias Beltz geprägte Motto des Tigerpalasts - was sagt der Politik-Dompteur Cohn-Bendit zu einer solchen Revolutionsverhöhnung?

Das ist wunderbar. Matthias Beltz war der geborene Satiriker, und Satire darf vor nichts haltmachen. Erst recht nicht vor der eigenen Vergangenheit.

Klinke ist nach eigenem Bekunden äußerst stolz darauf, nicht Lehrer und nicht Grüner geworden zu sein. Warum konnten Sie nicht wider-stehen?

Johnny soll stolz sein, auf was er will. Ich finde, was er noch im Leben erreichen muss, ist, Vorstandsvorsitzender der Eintracht zu werden.

Lustig, dass Sie das ansprechen. Immerhin hat auch die Eintracht vor genau 20 Jahren ihren letzten großen Titel, den DFB-Pokal, gewonnen ...

Ich sage eins: Wenn der Johnny Eintracht-Vorsitzender wird, dann kommt der Verein wieder auf der europäischen Ebene an. Ich muss ja sagen: Der Funkel geht mir derzeit auf die Nerven mit seinem Gerede, der Caio würde zu viele Bälle verlieren. Dabei war der einer der wenigen, die gut gespielt haben. Funkels Phobie gegen Caio ist absolut übertrieben.

Das Interview führte Nils Brenner