Uns geht es gut, Herr Cohn-Bendit?

02. September 2008

1. Sie haben EU-Ratspräsident Sarkozy Namen politischer Gefangener in

China geschickt- welche Reaktion gab's?

Sarkozy hat die Liste mit 66 Namen an die Chinesen übergeben, und Ende

des Monats wird sein Assistent und Fachmann für Außenpolitik mit den

Chinesen über eben diese Liste verhandeln.

2. Glückwunsch dazu! Müssten Sie sich dann aber nicht umso mehr für den

Vergleich entschuldigen, Sarkozys Besuch der Olympischen Spiele in

Peking gleiche einem Handschlag mit Adolf Hitler ...?

Nö, nö, Sarkozy ist professionell genug, solche Vergleiche richtig zu

verstehen. Wir sind politisch nun mal aus unterschiedlichen Lagern, und

ich halte es nach wie vor für falsch, als EU bei den

Eröffnungsfeierlichkeiten offiziell dabei gewesen zu sein.

3. Sie mögen den EU-Ratspräsidenten nicht wirklich, richtig?

Das ist keine Frage von mögen, sondern von politischer Überzeugung. Er

macht in Frankreich die falsche Politik. In Europa wird er beweisen

müssen, ob er als EU-Ratspräsident die richtige Klima- und

Energiepolitik vorantreibt. Aber auch hier habe ich meine Befürchtungen.

4. Die Russen nehmen den Einmarsch im Kaukasus echt sportlich - die

wollen wohl gar nicht aufhören, bevor sie in Tiflis auf dem

Rathaus-Treppchen stehen ...

Das glaube ich nicht - aber sie haben die wirklich naive Politik von

Präsident Michael Saakaschwili zum Anlass genommen, den Staaten dort

unten zu zeigen, wer der Herr in der Region ist. Mit ungeheuerlicher Härte.

5. Eigentlich müsste das IOC Russland und Georgien doch von den Spielen

ausschließen, denn beide Länder halten sich nicht an den in der Charta

formulierten olympischen Frieden ...

Das IOC ist nicht in der Lage, den Chinesen irgendetwas abzuringen - und

an die olympische Charta glauben die Herren dort so sehr wie ich an die

Bibel. Nämlich gar nicht!

6. Olympischen Sportsgeist beweist auch unsere Ypsi - gewinnen will sie,

um jeden Preis ...

Ich finde die politischen Kommentare verlogen. Was soll sie denn machen?

Natürlich kann man ihr vorwerfen, dass sie dieses Versprechen vor der

Wahl gegeben hat - spätestens am Wahl­abend hätte sie das revidieren

müssen. Aber es ist natürlich richtig, eine Minderheitsregierung zu

versuchen. Es gibt keine andere Perspektive. Die politischen Linien der

Parteien verschwimmen aufgrund der in Deutschland neuen

Fünf-Parteien-Konstellation. Darauf muss man reagieren.

7. Also: Wie soll sich Al-Wazir als grüne Ypsi-Schutztruppe verhalten?

Er muss jetzt endlich versuchen, ein rot-grünes Programm auf die Beine

zu stellen, und dazu soll sich die Linke dann im Landtag positionieren.

Sollte es nicht zu einer Minderheitsregierung kommen, werden sich die

Grünen umgehend für Neuwahlen einsetzen.

8. Wie jedes Jahr zum Saisonauftakt: Wo steht die Eintracht zum Ende?

Wir werden einen UEFA-Cup-Platz ergattern. Was ich aber immer noch nicht

verstehe, ist Funkels Verhältnis zu Caio. Der muss den Jungen spielen

lassen - bei einem Spiel wie gegen Madrid, in dem es de facto um nichts

ging, hätte er Caio zumindest eine Halbzeit auf den Platz holen sollen.

Nur so kann der in die Mannschaft wachsen.

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Die Fragen stellte Boris Tomic