"Unser Problem kommt weder von links noch von rechts, unser Problem sind wir selbst"

23. August 2008

Cohn-Bendit auf der Sommertagung der französischen Grünen

Daniel Cohn-Bendit: "Unser Problem kommt weder von links noch von rechts, unser Problem sind wir selbst"

Kurz vor Ende der Sommeruniversität der französischen Grünen in Toulouse, ist die Idee der Zusammenführung aller ökologischen Bewegungen für die Europawahlen 2009, von José Bové bis Nicolas Hulot, noch nicht gemachte Sache. Alle Beteiligten, allen voran Daniel Cohn-Bendit, sind sich der ideologischen Hindernisse bewusst, die es zu überwinden gilt.

Libé Toulouse: Auf das Interesse, das Corinne Lepage (Modem) für die Idee der Zusammenführung der ökologischen Bewegungen gezeigt hat, habe sie geantwortet, dass Sie "beide Beine rechts und der Kopf links stehen". Was meinen Sie damit?

Daniel Cohn-Bendit: Das hat heute gar nichts mehr zu bedeuten. Die Debatte dreht sich vielmehr um ökologische und soziale Lösungen zu heutigen Herausforderungen. Unser Problem kommt weder von rechts noch von links, unser Problem sind wir selbst. Zum Beispiel war es Sarkozy, und nicht Jospin, der die "Grenelle de l'environnement" initiiert hat, und das war ein Fortschritt für die Umwelt. Nicht rechts, nicht links, in Umweltfragen müssen wir eine neue Dimension erlangen, eine "ökologische Galaxie".

Libé Toulouse: Nach diesen zwei Tagen der intensiven Auseinandersetzung/Debatte, scheint Ihnen eine Fusion der Grünen möglich/wahrscheinlich?

Daniel Cohn-Bendit: Es ist schwer. Aber gestern bei der Versammlung konnte man  spüren, dass die Basis eine Fusion der grünen Strömungen möchte. Aber gleichzeitig ist dies so unheimlich neu für die Grünen. Denn bis jetzt waren sie in der politischen Landschaft etwas eingeschlossen. Diese Fusion könnte den Grünen helfen, ihren Platz in der politschen Landschaft zu finden.

Libé Toulouse: Einige Teilnehmer de französischen grünen Sommeruni meinen, dass der PS mehr auf die Grünen angewiesen sei als anders herum.

Daniel Cohn-Bendit: Eines ist klar. Die PS braucht eine ökologische Kraft, muss sensibler für ökologische Fragen werden.

Das Interview führte Jean-Manuel Escarnot, freie Übersetzung aus dem Französischen der Homepageredaktion