War die Wahl Obamas wirklich ein historic victory?
Er ist der erste kosmopolitische Präsident, der im Grunde einen universellen Anspruch hat. Seine Wahl ist vergleichbar dem Fall der Berliner Mauer. Der 11. September war ein Eintritt mit Schrecken ins 21. Jahrhundert, der Wahlsieg Obamas eröffnet dieses Jahrhundert wirklich. Es ist der Beginn einer neuen, einer multi-lateraleren, multikulturelleren Weltpolitik.
Dabei sind seine Startvoraussetzungen nicht gut: Kriege, Finanzkrise, Staatsverschuldung ...
Das ist alles Geschwätz. Natürlich: Der Start ist schwierig. Punkt. Das Aber stört mich. If you can't stand the heat, get out of the kitchen!
Die Russen haben die Temperatur gerade erhöht: Kurzstreckenraketen sollen an der Grenze zu Polen aufgestellt werden.
Russland merkt, wie sich die Welt wieder den USA gegen-über öffnet. Ist doch klar, dass Medwedew nun seine Lieblinge wie Chavez um sich scharen und eine Gegen-Obama-Position vertreten wird.
Im Juni 2009 wird auch in Europa gewählt. Womit treten die Grünen in Frankreich an?
Sie treten in Paris und Umgebung mit einem Spitzenkandidaten Daniel Cohn-Bendit an.
Der wofür steht?
Für den europäischen Traum.
Jetzt klingen Sie wie Obama.
Es ist ein Traum, einen Kontinent zu vereinen, der vom Krieg so gebeutelt wurde, ein Traum von einer sozial-ökologischen Marktwirtschaft, von einer europäischen Demokratie.
Schön gesagt. Doch so leid es mir tut: Wir müssen nun in die Niederungen hessischer Politik hinabsteigen. Die Überleitung geht so: Ypsilanti hatte ganz Obama-like auf dem Parteitag gerufen: „Yes, we do!"
Ypsilanti ist schlicht daran gescheitert, dass sie von Anfang an naiv und dummdreist ein Bündnis mit den Linken ausgeschlossen hatte. Jetzt kann sie schon mal „Yes, we lose" oder „Wir wissen, wie man verliert: SPD" plakatieren. Da werden jedenfalls etliche Abgeordnete um ihre warmen Parlamentssitze fürchten müssen.
Hängen die Grünen da nicht mit drin?
Nein, die Grünen sind die Einzigen, die in den vergangenen Monaten eine konsequente Politik verfolgt haben, in der sie für ihre Wahlziele eingestanden sind. Klar werden CDU und FDP im Wahlkampf behaupten: „Yes, we can." Da müssen die Grünen den Bürgern klarmachen, dass deren Wahl nur eine Wiedergeburt des Alten wäre, die inhaltlich wie personell zu verhindern ist. Wenn die Grünen 15 Prozent und mehr bekommen, gibt es eine Möglichkeit, ihre Positionen durchzubringen, egal, wie die Wahl sonst ausgeht.
Sind 15 Prozent plus X realistisch?
Das ist so realistisch wie un-realistisch.
Genau wie eine Koalition mit der CDU?
Stärkt uns, damit wir unsere Position durchbringen können, das muss die Losung sein. Mögliche Bündnisse wird bei den Neuwahlen ohnehin keiner mehr ausschließen.
Seit ein paar Wochen fordern Sie an dieser Stelle die Abwahl Friedhelm Funkels. Waren Sie zu voreilig?
Die Qualität von Funkel ist, die Eintracht im Mittelfeld zu halten. Funkel ist Rohkost. Gewiss gesund, aber zum Träumen muss man etwas wagen. Wenn es den Eintracht-Fans reicht, nicht an der Spitze zu stehen, dann ist Funkel genau der richtige Mann. Er steht für Stabilität, für Ordnung, für traditionelle Spielweise.
Die Fragen stellte Nils Bremer