Kennen Sie Herta Müller?
Wir hatten sie zur Sommerakademie der Grünen in Frankfurt/Oder eingeladen. Es ist eine fantastische Entscheidung, ihr den Literatur-Nobelpreis zu geben. Eine solche Entscheidung versüßt den Tag, auch wenn alles andere beschissen läuft.
Und was sagen Sie zum Friedensnobelpreis an Obama?
Das ist Namedropping, reine Wichtigtuerei. Nicht mehr.
Back to Germany: Unser möglicher Finanzminister Hermann Otto Solms sparte nicht mit starken Worten: „Der Status der Finanzen ist natürlich entsetzlich“ …
Der Mann ist ein Lügner. Jetzt so zu tun, als wäre es nicht klar gewesen, ist mehr als scheinheilig. Steinmeier hatte es gesagt, sogar die CDU berichtete im Wahlkampf über die verheerende Finanzlage. Dieser Solm’sche Weinkrampf degradiert den Mann nicht nur zu einem politischen B-oder C-Movie-Schauspieler, sondern zu einem Y-Movie-Darsteller.
Und die versprochenen Steuersenkungen?
Völliger Quatsch. In einer Situation des bitter notwendigen Umbaus an so etwas zu denken, ist abwegig. Absolut.
Unser möglicher Bundes-Innenminister Roland Koch meint, man solle sich nicht in „Klein-Klein“ verfangen, sondern die „große Linie“ ziehen ...
Klar, wenn die große Linie lautet: Jetzt die ökologische Transformation der Wirtschaft anstoßen, um die Finanzkrise vollends zu überwinden und damit uns so etwas nicht mehr passiert, bin ich bei ihm.
Hand aufs Herz – Ihre Prognose: wie lange hält diese Koalition zwischen Schwarz und Gelb?
Vier Jahre.
Integrationsminister Armin Laschet von der CDU in Nordrhein-Westfalen wirbt für eine neue Republik – und bekommt dafür den Beifall des Grünen Vordenkers Cohn-Bendit. Nicht doch ein Vorgeschmack auf Schwarz-Grün im Bund?
Nein. Es ist ein Vorgeschmack darauf, dass es auch in der CDU kluge Menschen gibt, die Richtiges formulieren.
Sie werfen Thilo Sarrazin vor, sich mit seinen umstrittenen Äußerungen über Migranten unmöglich gemacht zu haben ...
Er hat der Diskussion, die er vielleicht anstoßen wollte, sehr geschadet. Polterei ist der falsche Weg. Der Mann wirkt auf mich wie ein extrem gequälter Mensch. Er sollte vielleicht nach Poona gehen und dort seinen Frieden finden ...
Wie soll es in Sachen Roman Polanski weitergehen?
Es ist absurd, Polanski mit dem Argument in Schutz zu nehmen, er sei ein Genie. Hier geht es um die Vergewaltigung einer 13-Jährigen unter Drogen- und Alkoholeinfluss. Dafür gibt es bis zu 30 Jahre Gefängnis. Es ist eine juristische Auseinandersetzung, in der es zu klären ist, ob die Sache verjährt ist oder nicht. Aber sie muss geklärt werden. Dafür gibt es Anwälte.
Die gute News zum Schluss: Lafontaine will sich ganz um die Landespartei im Saarland kümmern, heißt es. Auch sein Bundestagsmandat will er niederlegen...
Eine wunderbare Nachricht – fast so schön wie die vom Literaturpreis an Herta Müller.
Unsere Eintracht muss in diesem Monat gleich zweimal gegen die Bayern ran – das wird nicht einfach ...
Die schmeißen die Bayern aus dem Pokal. Wir fahren nach Berlin.
Die Fragen stellte Boris Tomic