"Der Idealdeutsche ist Beckenbauer, der Idealfranzose ist Zidane, Sohn
algerischer Einwanderer": So charakterisiert Daniel Cohn-Bendit im
Interview mit der Abendzeitung vom 8./9. Juli das unterschiedliche
Verhältnis zur Einwanderung in den beiden Ländern. Auch in Deutschland
ändert sich, siehe Asamoah und Odonkor, langsam das Verständnis vom
"Deutsch-sein" und mit der WM haben die Deutschen gezeigt, dass sie
Multi-Kulti auch ausgelassen feiern können.
Historiker und Sozialwissenschaftler sind sich einig – Fußball transzendiert Politik und Gesellschaft. Auch bei dieser Weltmeisterschaft haben sich einige genuin politische Themen herauskristallisiert. Nachdem die Teilnahme des Irans schon lange nicht mehr in Frage gestellt wird, bereitet der Umgang mit dem iranischen Präsidenten weiterhin Schwierigkeiten. Was tun, wenn sportliche und diplomatische Welten aufeinanderprallen? Ein Kommentar von Daniel Cohn-Bendit.
Sehen Sie eine neue Patriotismus- oder Nationalismus-Entwicklung in Deutschland, die bei dieser WM geschaffen oder ausgelebt werden wird?
Die Tageszeitung 9.Juni 2006
Daniel Cohn-Bendit: Nein. Sollten die Deutschen Weltmeister werden, was
ich nicht glaube, würde alle sagen: Es war ein Zusammenfügen von
glücklichen Bedingungen. Keiner würde behaupten, dass die Deutschen die
besten sind.
Die Welt wird immer unübersichtlicher und komplexer. Auch im Fußball ist nichts mehr, wie es einst war - als die Wundermannschaft von Bern die Herzen der Deutschen erstürmte. Der Fußball gleicht immer mehr einem Janusgesicht: auf der einen Seite die ehrliche Begeisterung der Fans und die gemeinsame Freude an Sport und Spiel, auf der anderen die Schattenseiten eines kommerziellen und politisch nicht immer korrekten Großereignisses. Müssen wir deswegen auf unsere Hoffnungen und Träume verzichten? Eine Antwort und ein Kommentar von Daniel Cohn-Bendit.
Wenn es nach Daniel Cohn-Bendit geht, heisst der nächste UEFA-Präsident
nicht Franz Beckenbauer, sondern Michel Platini. „Dany le rouge“
erläutert ausserdem, was eine -verfehlte -Integrationspolitik mit der
Krise des deutschen Fußballs zu tun hat. So viel Verve überrascht
nicht, schließlich ist der Fussball für sein ganzheitliches
Wohlbefinden sehr wichtig
Betrachtung über einen möglichen Ausschluss Irans bei der WM
Stellungnahme vom 01. März 2006
In einer Rede im Europäischen Parlament schlägt Daniel Cohn-Bendit den möglichen Ausschluss Irans bei der WM im nächsten Jahr vor. Die Reaktionen zeigen den Wunsch nach einer deutlichen Antwort auf die nicht hinnehmbaren Äußerungen des iranischen Präsidenten, aber auch die Unklarheit, wie diese ausfallen soll und kann - Daniel Cohn-Bendit über seinen Vorschlag, Fußball und Politik miteinander zu verbinden.